Ein besinnlicher Weg von der Armut in den Reichtum - auch für Zuhause!

Besinnungsweg in der Natur 2023 – Armut und Reichtum

Beim Start

Saulo Fereira Reis setzt sich ein in der Pastoralen Landkommission Goias aus Brasilien und ist in Ostbelgien, um über seine Person, seine Arbeit und seine Kämpfe zu berichten. 

Einführung in den Weg

Heute gehen wir den Weg in Verbundenheit – unter uns, mit dem Vertreter von Miteinander Teilen Saulo, mit den Menschen in Brasilen, mit allen Menschen dieser Welt, die Gott uns anvertraut hat. Wir gehen diesen Weg bewusst mit Gott: Er ist es, der uns in seine Natur einlädt. Er gibt uns Mut, Kraft und Hoffnung, dass es uns gelingen kann, so miteinander unterwegs zu sein, dass das Leben für jeden Menschen würdevoll und wertvoll ist.

Lied :

Laudate omnes gentes, laudate dominum.

Gebet

Gott, unser Vater, wir haben uns versammelt, um einen Weg durch deine Natur zu gehen und freuen uns, dass wir ihn mit Saulo Fereira Reis aus Brasilien zusammen gehen können.

Du hast uns einander anvertraut, dass wir miteinander durchs Leben gehen und uns gegenseitig aufmerksam machen auf unsere Not und unseren Reichtum. Du traust es uns zu, dass wir miteinander das teilen, was uns und deiner Schöpfung leben schenkt.

Vor dir inmitten deiner Schöpfung werden wir uns unserer Armut bewusst und bitten dich: Lass uns durch deinen Geist die Kraft finden, alle Hindernisse zu überwinden, die sich uns in den Weg stellen beim Versuch uns gegenseitig zu beschenken mit dem, was unser Leben wertvoll macht. Amen.

1. Wegstrecke

1. Station

Anhand dieses Beispiels von Christus schlägt Franziskus drei Herausforderungen vor, um die Tendenz zur Verschwendung zu bekämpfen.

Erstens, "das Geschenk, das wir sind, nicht zu verschwenden. Jeder von uns ist ein Gewinn, unabhängig von den Eigenschaften, die wir haben. Jede Frau, jeder Mann ist nicht nur reich an Talenten, sondern auch an Würde, von Gott geliebt zu sein". Dies ist hat seine Grundlage im Evangelium. "Jesus erinnert uns daran, dass wir nicht aufgrund dessen, was wir haben, gesegnet sind, sondern aufgrund dessen, wer wir sind. Kämpfen wir mit Gottes Hilfe darum, dass jeder Mensch dies erfahren kann."

Die zweite Herausforderung besteht darin, "die Gaben, die wir haben, nicht zu verschwenden". In diesem Zusammenhang weist Franziskus auf die große Menge an Lebensmitteln hin, die jedes Jahr weggeworfen wird, was mit der weltweiten Hungerkrise kollidiert. "Die Ressourcen der Schöpfung dürfen nicht auf diese Weise verbraucht werden; die Güter müssen gehütet und geteilt werden, damit es niemandem an dem Notwendigen mangelt. Lasst uns nicht verschwenden, was wir haben, sondern eine Ökologie der Gerechtigkeit und der Nächstenliebe verbreiten!"

Die dritte und letzte Herausforderung besteht darin, "die Menschen nicht zu vernachlässigen". Die heute vorherrschende Wegwerfkultur neigt dazu, Menschen so lange zu benutzen, bis sie nicht mehr nützlich sind, "und das gilt besonders für die Schwächsten: die Alten, die Bedürftigen und die Benachteiligten. Aber Menschen können nicht weggeworfen werden, niemals! Jeder Mensch ist ein heiliges und einzigartiges Geschenk, in jedem Alter und in jedem Zustand. Lasst uns das Leben immer achten und fördern!"

Weg in Stille

2. Station

In Brasilien hat sich die Welle der Unterdrückung sozialer Bewegungen, die in den letzten Jahren zu beobachten war, nach der Wahl von Jair Bolsonaro verstärkt. Mit der Ermordung von 20 Aktivisten im Jahr 2020 steht Brasilien an 4. Stelle der Länder, in denen Verteidigerinnen und Verteidiger von Umwelt und Landrechten am häufigsten getötet werden. ¾ dieser Verbrechen finden im Amazonasgebiet statt und richten sich gegen die indigene Bevölkerung.

Wie in anderen verarmten Ländern des Südens geht es auch in Brasilien bei den meisten Konflikten um den Zugang zu Land. In Brasilien sind 45% des Landes in den Händen einiger weniger Großgrundbesitzer konzentriert, während die Bauern und Bäuerinnen nur 2,3% des Landes besitzen. Diese Ungleichheit bei Land, von der Frauen und Mädchen besonders betroffen sind, ist eine wesentliche Triebfeder für Ausbeutung, einschließlich des Menschenhandels zum Zweck der Zwangsarbeit. Fortentwicklung im Agrobusiness, große Wasserkraftprojekte und eine Zunahme der Bergbauprojekte… wenn man dazu noch bedenkt, dass der Einsatz von Waffen toleriert wird, so ist die Konzentration der Ressourcen ein fruchtbarer Boden für den Druck auf die Ökosysteme und ihre Bewohner sowie für die Eskalation der Gewalt in diesen Regionen.

Während der Hunger in Brasilien zunimmt, dringt die Agrargrenze immer weiter in die schützenswerten Ökosysteme Cerrado, Amazonas und Pantanal vor. Es besteht kein Zweifel daran, dass es bei einer Ratifizierung des Handelsabkommens zwischen der EU und MERCOSUR zu mehr Entwaldung und Landnahme für Exportmonokulturen und Intensiv-Tierhaltung kommen wird.

Multinationale Konzerne mit Sitz in Europa sind an diesen Projekten beteiligt, die die Rechte von Bauern und Bäuerinnen untergraben. Dies ist der Fall bei Engie, dessen Staudämme in der Gemeinde Minaçu (im Norden des Bundesstaates Goiás) landwirtschaftlich genutztes Land überfluten, einen der größten Seen Lateinamerikas bilden, seine Bewohner vertrieben haben und sie ohne produktive Ressourcen und Entschädigungen zurückließen.

In der Fastenzeit 2023 mobilisiert sich Entraide & Fraternité erneut an der Seite dieser Partner, die sich organisieren und die „Ausgeschlossenen“ gegen die Wirtschaftsmaschinerie der Agroindustrie in Brasilien verteidigen. Sie wird diese Landverteidigerinnen und Landverteidiger unterstützen, die wie das Land, für das sie sich einsetzen, unter den katastrophalen Folgen von Bergbau- und Wasserkraftprojekten sowie unter erheblicher Kriminalisierung und Repression zu leiden haben.

Saulo Reis gibt uns schließlich den Auftrag, uns jeden Tag die Frage zu stellen: Wie kann ich die Welt etwas besser gestalten mit meinen Möglichkeiten und Grenzen? Dann fordert er uns heraus, dies auch zu verwirklichen.

Gebet

Gott, der du im ganzen Universum und im kleinsten deiner Geschöpfe gegenwärtig bist, der du alles, was existiert, mit deiner Zärtlichkeit umgibst, gieße die Kraft deiner Liebe über uns aus,

damit wir das Leben und die Schönheit schützen. Überschütte uns mit Frieden, damit wir als Brüder und Schwestern leben, ohne jemandem Schaden zuzufügen.

O Gott der Armen, hilf uns, den Verlassenen und Vergessenen dieser Erde zu helfen, die in deinen Augen so viel wert sind.

Heile unser Leben, damit wir Beschützer der Welt sind und nicht Raubtiere, damit wir Schönheit säen und nicht Verschmutzung oder Zerstörung.

Berühre die Herzen derer, die nur nach Profit auf Kosten der Erde und der Armen streben.

Lehre uns, den Wert von allem zu entdecken, staunend zu betrachten und zu erkennen, dass wir auf unserem Weg zu deinem unendlichen Licht zutiefst mit allen Geschöpfen vereint sind.

Danke, dass du jeden Tag bei uns bist. Unterstütze uns, wir bitten dich, in unserem Kampf für Gerechtigkeit, Liebe und Frieden. Amen.

Weg mit Austausch

3. Station

Papst Franziskus sagt: Es gibt eine Armut, die reich macht. Der wahre Reichtum liegt nicht in der Ansammlung von Schätzen hier auf der Erde, wo Motte und Wurm sie zerstören und wo Diebe einbrechen und sie stehlen, sondern in der gegenseitigen Liebe, die uns dazu motiviert, die Lasten des anderen zu tragen, damit niemand im Stich gelassen oder ausgeschlossen wird. Die Erfahrung von Schwäche und Begrenztheit, die wir in den letzten Jahren gemacht haben, und nun die Tragödie eines Krieges mit globalen Auswirkungen müssen uns etwas Entscheidendes lehren: Wir sind nicht auf dieser Welt, um zu überleben, sondern damit allen ein würdiges und glückliches Leben ermöglicht wird. Die Botschaft Jesu zeigt uns den Weg und lässt uns entdecken, dass es eine Armut gibt, die erniedrigt und tötet, und eine andere Armut, seine eigene, die befreit und gelassen macht.

Die Armut, welche tötet, ist das Elend, das Ergebnis von Ungerechtigkeit, Ausbeutung, Gewalt und ungerechter Verteilung der Ressourcen. Das ist die verzweifelte Armut, die keine Zukunft hat, weil sie von der Wegwerfkultur aufgezwungen wird, die weder Perspektiven noch Auswege bietet. Das ist die Armut, welche Menschen in extreme Bedürftigkeit bringt und dadurch auch die spirituelle Dimension untergräbt, die, auch wenn sie oft übersehen wird, existiert und zählt. Wenn das einzige Gesetz die Gewinnberechnung am Ende des Tages ist, dann gibt es keine Hemmungen mehr, der Logik der Ausbeutung von Menschen zu folgen: die Anderen sind nur Mittel. Gerechte Löhne, gerechte Arbeitszeiten gibt es nicht mehr, und es werden neue Formen der Sklaverei geschaffen, unter denen die Menschen leiden, die keine Alternative haben und diese bittere Ungerechtigkeit hinnehmen müssen, um das Existenzminimum zusammenzukratzen.

Dagegen ist die Armut, die befreit, diejenige, die sich uns als verantwortungsvolle Entscheidung präsentiert, um Ballast abzuwerfen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Die Begegnung mit den Armen ermöglicht es, viele Ängste und substanzlose Befürchtungen zu überwinden und zu dem vorzustoßen, was im Leben wirklich zählt und was uns niemand wegnehmen kann: die wahre und unentgeltliche Liebe. Die Armen sind in der Tat, noch bevor sie Empfänger unserer Almosen sind, Individuen, die uns helfen, uns von den Fesseln der Rastlosigkeit und der Oberflächlichkeit zu befreien.

Die Armut Christi macht uns reich. Der Reichtum Jesu besteht in seiner Liebe, die sich niemandem verschließt und allen entgegenkommt, vor allem diejenigen, die an den Rand gedrängt und des Nötigsten beraubt sind. Aus Liebe wurde er ein gehorsamer Diener, bis hin zum Tod am Kreuz . Aus Liebe wurde er zum »Brot des Lebens«, damit niemandem das Lebensnotwendige fehlt und er die Nahrung für das ewige Leben finden kann. So wie damals für die Jünger des Herrn scheint es auch heute noch schwierig zu sein, diese Lehre zu akzeptieren (vgl. Joh 6,60); aber das Wort Jesu ist deutlich. Wenn wir wollen, dass das Leben über den Tod triumphiert und die Würde von der Ungerechtigkeit befreit wird, dann ist der Weg der seine: Er besteht darin, der Armut Jesu Christi zu folgen, das Leben aus Liebe zu teilen, das Brot der eigenen Existenz mit den Brüdern und Schwestern zu brechen, angefangen bei den Geringsten, bei denen, denen das Nötigste fehlt, damit Gleichheit erreicht wird, die Armen vom Elend und die Reichen von der Selbstgefälligkeit befreit werden, die beide hoffnungslos sind.

Fürbittgebet

Miteinander hast du uns ins Leben gestellt, um füreinander da zu sein und uns gegenseitig zu beschenken mit dem, was uns reich macht. Deshalb bitten wir:

Für die Wirtschaftsführer: Gib ihnen den Mut, auf faire Formen von Produktion und Handel zu setzen.

Für alle, die die Strukturen der Welt bestimmen: Lass sie dabei die Interessen aller Menschen und nicht nur die der Reichen und Mächtigen im Blick haben.

Für die Armen und die, die unter Unrecht leiden: Lass sie nie die Hoffnung verlieren.

Für alle, die für Gerechtigkeit kämpfen: Gib ihnen die Kraft, ohne Gewalt an diesem Ziel zu arbeiten.

Für Frauen und Männer, Institutionen und Verbände, die Frieden in der Welt einfordern: Lass sie mit Fantasie zukunftsweisende Wege für ein gutes Zusammenleben aller Menschen entdecken.

Für uns selbst: Lass uns den Reichtum der Erde geschwisterlich mit allen Menschen teilen.

Guter und treuer Gott, Du hast uns diese Erde mit all ihrem Reichtum geschenkt. Gib uns den Mut, die Kraft und die Weisheit, sie so zu bewahren und zu verwalten, dass ihre Gaben allen Menschen zukommen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Bruder und Herrn. Amen.

Schluss

Gebet

Gott, wir danken dir, dass wir einander begegnen dürfen. So erfahren wir, dass wir füreinander ein Geschenk und eine Herausforderung sind, eine Gabe und eine Aufgabe. Ermutige uns durch solche Begegnungen, wie diese, mehr miteinander durchs Leben zu gehen und nicht aneinander vorbei zu leben oder auf Kosten der anderen. Stärke in uns das Bewusstsein, im Alltag uns füreinander immer mehr zu öffnen und so gemeinsam uns selbst, unseren Mitmenschen und deiner Schöpfung eine würdevolle und frohmachende Zukunft zu schenken, der unser Armut mindert und unseren wahren Reichtum vermehrt. Amen.

Lied

1. Hilf, Herr meines Lebens, dass ich nicht vergebens,

dass ich nicht vergebens hier auf Erden bin.

2. Hilf, Herr meiner Tage, dass ich nicht zur Plage,

dass ich nicht zur Plage meinem Nächsten bin.

3. Hilf, Herr meiner Stunden, dass ich nicht gebunden,

dass ich nicht gebunden an mich selber bin.

4. Hilf, Herr meiner Seele, dass ich dort nicht fehle,

dass ich dort nicht fehle, wo ich nötig bin.

5. Hilf, Herr meines Lebens, dass ich nicht vergebens,

dass ich nicht vergebens hier auf Erden bin.

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